Die Studie „Reflexion des Wissenschaftsbetriebs“ untersucht die Wahrnehmung des neoliberalen Umbaus von Lehre und Forschung

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Alexander Beltz
„In den späten Perioden der gegenwärtigen Gesellschaft haben die sogenannten Geisteswissenschaften ohnehin nur einen schwankenden Marktwert; sie müssen schlecht und recht versuchen, es den glücklicheren Naturwissenschaften gleichzutun, deren Verwendungsmöglichkeit jeder Frage enthoben ist.“
(Max Horkheimer: Traditionelle und Kritische Theorie, Frankfurt a.M. 1968 [1937], S. 14).
1. Akademische Produktionsbedingungen in der Deutschdidaktik
Die Deutschdidaktik als akademische Disziplin bewegt sich seit jeher in einem Spannungsfeld zwischen Idealismus und Zweckrationalität: Auf der einen Seite steht sie in einer Tradition, die Genuss und Erkenntnis als Selbstzweck der Auseinandersetzung mit Sprache und Literatur begreift und dadurch die freie Entfaltung des Individuums befördern will. Sprachliche und literarische Bildungsprozesse sind dieser Auffassung nach nicht zwingend auf außerfachliche Ziele gerichtet, sondern können sich auch selbst genügen: Erkenntnis und Genuss als der Mühe Lohn. Die Autonomie des lernenden Subjekts bzw. die Autonomie des Ästhetischen sind Leitsterne dieses Bildungsbegriffes, der von Seiten seiner Befürworter/innen wie von Kritiker/innen als „idealistisch“ beschrieben werden könnte. Auf der anderen Seite sehen viele die Fachdidaktik in der Pflicht, bildungspolitische Aufträge effizient zu erfüllen. Daneben zählen außer der erfolgreichen Ausbildung von Lehrkräften auch die Qualitätssicherung bzw. Output-Steigerung des Deutschunterrichts oder die Konzeption von Curricula und Prüfungsformaten, mit denen das Fach auf die Erfordernisse des gegenwärtigen Arbeitsmarkts reagieren kann. Damit scheint sie, stärker noch als die Sprach- oder Literaturwissenschaft, sich nach Kosten-Nutzen-Rechnungen formieren zu müssen.
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