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„Ich optimiere meine Arbeitsweisen und mein arbeitsbezogenes Selbst“

Die Studie „Reflexion des Wissenschaftsbetriebs“ untersucht die Wahrnehmung des neoliberalen Umbaus von Lehre und Forschung

Quelle: https://pixabay.com/de/photos/stoppuhr-zahnr%C3%A4der-tastatur-arbeit-3699322/

Alexander Beltz

„In den späten Perioden der gegenwärtigen Gesellschaft haben die sogenannten Geisteswissenschaften ohnehin nur einen schwankenden Marktwert; sie müssen schlecht und recht versuchen, es den glücklicheren Naturwissenschaften gleichzutun, deren Verwendungsmöglichkeit jeder Frage enthoben ist.“

(Max Horkheimer: Traditionelle und Kritische Theorie, Frankfurt a.M. 1968 [1937], S. 14).

1. Akademische Produktionsbedingungen in der Deutschdidaktik

Die Deutschdidaktik als akademische Disziplin bewegt sich seit jeher in einem Spannungsfeld zwischen Idealismus und Zweckrationalität: Auf der einen Seite steht sie in einer Tradition, die Genuss und Erkenntnis als Selbstzweck der Auseinandersetzung mit Sprache und Literatur begreift und dadurch die freie Entfaltung des Individuums befördern will. Sprachliche und literarische Bildungsprozesse sind dieser Auffassung nach nicht zwingend auf außerfachliche Ziele gerichtet, sondern können sich auch selbst genügen: Erkenntnis und Genuss als der Mühe Lohn. Die Autonomie des lernenden Subjekts bzw. die Autonomie des Ästhetischen sind Leitsterne dieses Bildungsbegriffes, der von Seiten seiner Befürworter/innen wie von Kritiker/innen als „idealistisch“ beschrieben werden könnte. Auf der anderen Seite sehen viele die Fachdidaktik in der Pflicht, bildungspolitische Aufträge effizient zu erfüllen. Daneben zählen außer der erfolgreichen Ausbildung von Lehrkräften auch die Qualitätssicherung bzw. Output-Steigerung des Deutschunterrichts oder die Konzeption von Curricula und Prüfungsformaten, mit denen das Fach auf die Erfordernisse des gegenwärtigen Arbeitsmarkts reagieren kann. Damit scheint sie, stärker noch als die Sprach- oder Literaturwissenschaft, sich nach Kosten-Nutzen-Rechnungen formieren zu müssen. 

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Anwesenheit und Klausurerfolg im Studium „Grundbildung Deutsch“

Auswertung einer explorativen Studie zur Vorlesung „Erzähltexte“ im Wintersemester 2024/25 an der PH Heidelberg

Quelle: Pixabay, https://pixabay.com/de/photos/internationale-konferenz-forum-1597529/

Daniel Scherf, Marco Magirius, Anika Greiß

Einleitung

In Baden-Württemberg muss jede:r angehende Grundschullehrer:in Deutsch studieren, wobei Studierende die Wahl haben, sich einem vertieften Fachstudium zu widmen oder – wenn das vertiefte Studium dem Fach Mathematik gelten soll – ein zweisemestriges sogenanntes „Grundbildungsstudium“ zu absolvieren. Auch Studierende der Sonderpädagogik studieren häufig Deutsch – und zwar am ehesten in der sogenannten Grundbildung, seltener in einem vertieften Fachstudium.

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II.3 „Doch wozu dies alles?“ Zur Funktion der Funktion

René Magritte: La trahison des images. Wikimedia Commons

Die Folge des Lebens in einer konstellativ organisierten und verwalteten Welt aber ist, dass sich kognitive, praktische und moralische (und am Ende auch politische) Urteilskraft gar nicht mehr ausbilden. (Rosa 2026, 70)

Doch wozu dies alles? Weshalb ist es nötig, darauf hinzuweisen, daß das Zeichen nicht mit dem bezeichneten Gegenstand verschmilzt? – […] [O]hne [diesen, J.O.] Widerspruch gibt es keine Bewegung der Begriffe, keine Bewegung der Zeichen, die Beziehung zwischen Begriff und Zeichen wird automatisiert, das Geschehen kommt zum Stillstand, das Realitätsbewußtsein stirbt ab. (Jakobson 1979 [1934], 79)

Handeln und Urteilen

Wie gesehen, unterscheidet Hartmut Rosa (2026) grundsätzlich Situation und Konstellation voneinander. Nur die Situation als ‚binnendiffuse‘ Gemengelage aus Sinneswahrnehmungen, Empfindungen, Wissensbeständen und Willensbestrebungen erlaube den in sie involvierten Personen, im emphatischen Sinne zu handeln, während die algorithmisch vorgespurte Konstellation die Beteiligten dazu zwinge, den vorgegebenen Tätigkeitsablauf bloß mechanisch zu vollziehen. Im Zusammenhang mit der situativen Handlung geht Rosa (2026, 58ff. und 64ff.) auch auf die dabei geforderte (praktische) Urteilskraft ein. Das konstellative Ablaufschema frage die Vollziehenden an keiner Stelle nach ihrem Urteil: Wer ein Ikea-Regal oder (ein von Rosa oft angeführtes Beispiel) ein vielteiliges Lego-Modell nach Plan zusammenbaut, kann es nur entweder richtig oder falsch machen, hat aber an keiner Stelle handelnd und urteilend etwas zu entscheiden. Die (Spät-)Moderne habe nun bezeichnenderweise eine deutliche Präferenz für den urteilsfrei-konstellativen Vollzug, und zwar nicht zuletzt aus Rücksichten der Transparenz, Fairness und Gleichbehandlung:

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II.2 Vom Verlust des Spielraums: Exkurse in die Soziologie

Paul Klee: Die Zwitschermaschine (Ausschnitt). Wikimedia Commons

Die poetische Funktion kann helfen, mit Freuds Todestrieb zu leben: In aller Kürze wäre damit das Wesentliche der vorliegenden Essayreihe gesagt. Die unhintergehbaren destruktiven Energien des Menschen können in Kunst und Literatur positiv gewendet werden. Die Aufhebung individueller, gestalthafter Grenzen im symbolischen Modus des Spiels – etwas, das im ‚Modus des Ernstes‘ auf Gewalt, Zerstörung und Tod hinauslaufen würde – hilft nicht nur, entsprechende Energien abzuleiten, sondern eröffnet auch Perspektiven von Selbstwirksamkeit und intrinsischer Sinngebung. Ein Erziehungswesen, das künstlerische und literarische Ausdrucksformen (rezeptiv wie produktiv) in den Mittelpunkt rückt, trägt so zur Abwehr destruktiver Antriebe bei und weist zugleich Wege zu einer individuell wie gesellschaftlich sinnstiftenden Beschäftigung.

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II.1 Poetische Funktion, mit Freud gelesen: ‚Todestrieb‘ und Katharsis

Sigmund Freud (Fotografie von Freuds Schwiegersohn Max Halberstadt, 1921). Wikimedia Commons

Johannes Odendahl

Eine kurze Rekapitulation: poetische Funktion, Gestalt und Substanz

Zunächst erscheint es sinnvoll, die im ersten Teil (speziell I.1 und I.7) entwickelte Lesart der poetischen Funktion sensu Jakobson in ihrer Nähe zum Komischen (vgl. I.6 und I.7) knapp und in nochmaliger Zuspitzung zu resümieren. Anschließend sollen dann mit Rückgriff auf Freud’sche Positionen die Überlegungen geöffnet werden in Richtung der Frage, was Kunst und Literatur in unserer Zeit für den individuellen wie kollektiven – wenn man so sagen kann – psychischen Haushalt zu leisten vermögen.

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II Folgerungen für die Literaturdidaktik?

Johannes Odendahl

Was wir betonen, ist nicht der Separatismus der Kunst, sondern die Autonomie der ästhetischen Funktion.

(Jakobson, Was ist Poesie?, S. 78)

Ein zweiter Teil der vor längerer Zeit unfertig liegengelassenen Essayreihe „Literatur als Ironie“ müsste eigentlich einen Titel tragen wie „Folgerungen für die Literaturdidaktik“, und zwar ohne Fragezeichen. Schließlich hat sich der erste Teil ausgiebig mit literatur- und komiktheoretischen Überlegungen beschäftigt und nachzuweisen versucht, dass die poetische Funktion sensu Jakobson strukturell verwandt ist mit dem Funktionsprinzip des Komischen, wie es speziell Schopenhauer gefasst hat. Das waren nun allerdings Gedanken und Spekulationen, die sich sehr weit von aktuellen literaturdidaktischen Fragestellungen zu entfernen scheinen; irritierend weit vielleicht für Beiträge auf einem Blog, der sich Literaturdidaktik im Gespräch nennt. Wie ist nun der Rückweg zum didaktischen Tagesgeschäft zu finden?

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I.8 Literatur als Ironie

Pieter Brueghel d.Ä.: Der Kampf zwischen Karneval und Fasten. Kunsthistorisches Museum Wien. Public Domain, via Wikimedia Commons. Detail

Ein Zwischenfazit

Johannes Odendahl

Alle Gedichte sind komisch, behauptete Robert Gernhardt; alle Literatur ist in gewisser Weise komisch, weil die poetische Funktion und das Strukturprinzip des Komischen einander analog sind: so wurde hier gesagt. Wenn man Robert Gernhardt einen gewissen Unernst auch bei einer solchen pauschalen Aussage zugestehen wird, können die gegenwärtigen Ausführungen nicht auf eine vergleichbare Nachsicht spekulieren. Wichtig bleibt daher die Einschränkung, Literatur sei nur „in gewisser Weise“ komisch. Von literarischen Texten insgesamt zu behaupten, sie seien alle komisch, wäre natürlich nicht sinnvoll, eine relativierende Verteidigung dieses Satzes müsste als fortgesetztes Rückzugsgefecht selber unfreiwillig komisch ausfallen. Davon unberührt bleibt die Feststellung, dass die poetische Funktion sensu Jakobson dem Strukturprinzip des Lächerlichen im Sinne Schopenhauers nicht nur ähnlich ist, sondern vollkommen entspricht. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass es bei der Lektüre literarischer Texte fortwährend etwas zu lachen gäbe. Offenbar gibt es ein großes Spektrum möglicher Reaktionen auf besagtes Strukturprinzip, von denen das Lachen nur eine ist.

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I.7 Komik und literarische Funktion

Pieter Brueghel d.Ä.: Der Kampf zwischen Karneval und Fasten. Kunsthistorisches Museum Wien. Public Domain, via Wikimedia Commons

Johannes Odendahl

„Literatur – komisch eigentlich“, so ist der einleitende Text zur vorliegenden Essayreihe, ein wenig feuilletonistisch im Tonfall, betitelt. Die Verwandtschaft von Literatur und Komik wurde dort mit Blick auf pointierte Aussagen Robert Gernhardts zunächst nur behauptet, eine nähere Erläuterung der Leitthese für den weiteren Verlauf in Aussicht gestellt. Nach den letzten Ausführungen lässt sie sich nun auch strukturell belegen.

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I.6 Über Komik und Humor

Johannes Odendahl

Was ist komisch, worüber müssen wir lachen? Die Frage nach dem Wesen des Lächerlichen ist immer wieder Gegenstand philosophischer und ästhetischer Betrachtungen gewesen, später wurde sie auch in psychologischer und physiologischer Hinsicht untersucht. Es wäre aber übertrieben, zu behaupten, dass sie je eines der zentralen Themen von Philosophie und Wissenschaft dargestellt hätte. Dies ist insofern ein wenig verwunderlich, als es sich offenbar um eine durchaus komplexe, schwierige Frage handelt und man beim Durchstöbern der Theoriegeschichte des Lächerlichen keineswegs auf die Schnelle eine durch und durch zufriedenstellende Antwort findet.

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I.5 Über Mimesis

Foto: pixabay

Johannes Odendahl

Wenn zuletzt mit Blick auf Semprúns Roman Die große Reise von den Grenzen der Ironie als Grenzen der Literatur die Rede war, sollte damit keineswegs gesagt sein, dass menschliches Leiden keine ironische Behandlung verträgt. Im Gegenteil: Menschliches Leiden in seiner Ernsthaftigkeit und Unausweichlichkeit ist der eigentliche Gegenstand von Literatur in deren gleichwohl unernstem, spielerischem, ironischem Wesen. Leid und Ironie schließen sich nicht nur nicht aus, sie bedingen einander vielmehr als Konstituenten von Kunst und Literatur. Wie oben gezeigt, vermag Literatur leidvolle Erfahrungen, auch die schlimmsten, in ihr Spiel-Prinzip und ihre Spiel-Logik mit einzubeziehen. So konnte etwa Bodo Wartke Phänomene von religiösem Fanatismus bis hin zum kaltblütigen Massenmord in seinem gewitzten, gereimten Rollenmonolog eines fingierten monotheistischen Gottes verarbeiten. Im Fall von Semprúns autofiktionalem Roman erwies sich etwas Vergleichbares als nicht tunlich; zu ungeheuerlich, zu einmalig, zu inkommensurabel das thematisierte Geschehen um Nazi-Gräuel und Holocaust, um literarisch relativiert werden zu können (während Wartkes Lied Nicht in meinem Namen konsequent auf die vergleichende Relativierung setzt).

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